Auch als Einkaufsmärkte sind marktferne Gegenden interessant. Durch Integration von Menschen in Armut in Zulieferketten können Produktionsvolumina und Liefersicherheiten erhöht, Qualität verbessert, die Flexibilität der Lieferkette gestärkt und Alleinstellungsmerkmale durch seltene, qualitativ hochwertige und „ethische“ Produkte erlangt werden.
Priprioca beispielsweise ist eine duftende Pflanze aus dem Herzen des brasilianischen Regenwaldes. Natura entdeckte die Pflanze als Basis der Naturkosmetiklinie Ekos. Zusammen mit Dorfgemeinschaften im Norden des Landes entwickelte das Unternehmen eine neue Lieferkette für den Rohstoff. Ekos wurde zur erfolgreichsten Linie des schnell wachsenden Unternehmens.
Für die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse bieten Entwicklungsländer große Kapazitäten. 72 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche befindet sich in Entwicklungsländern.
Nicht nur für die steigende Nachfrage nach mehr und höherwertigen Nahrungsmitteln sind diese Produktionspotentiale wichtig, sondern auch für den wachsenden Bedarf an nachwachsenden Energierohstoffen. Dabei spielt die Qualität der Endprodukte wie auch der Produktionsprozess eine immer wichtigere Rolle: Die Nachfrage nach Produkten, die als „bio“ oder „fair“ zertifiziert sind, steigt kontinuierlich.
Manche wertvollen Rohstoffe können nur in bestimmten Regionen produziert oder extrahiert werden. Die Pharmaindustrie ist immer auf der Suche nach neuen Wirkstoffen auf pflanzlicher Basis. Hier bietet sich die Zusammenarbeit mit Menschen an, die in Gebieten hoher Biodiversität wie etwa den Regenwäldern leben. So können neue Einkaufsquellen erschlossen und gleichzeitig der Erhalt der Artenvielfalt gefördert werden. Das Vorgehen von Natura setzt hier Maßstäbe.
Auch als Handwerker bieten die Menschen in Entwicklungsländern wertvolle Leistungen. Chancen bestehen besonders bei arbeitsintensiven und kunsthandwerklichen Produkten, wie sie im Bereich der Wohnausstattung nachgefragt werden. IKEA arbeitet hier mit Genossenschaften und Familienunternehmen in Vietnam zusammen, um Textilien und Keramik zu produzieren. Das Unternehmen schließt mit den Zulieferern einen langfristigen Vertrag mit festgelegten Zahlungsmodalitäten, wovon beide Seiten profitieren.
Der Dienstleistungsbereich ist noch kaum erschlossen, doch dies ändert sich dank der breiten Verfügbarkeit von Datennetzen. Digital Dividend in Kambodscha und und TxtEagle in Ruanda sind Unternehmensneugründungen, die auf Mobiltelephonie setzen, um etwa Übersetzungsleistungen in Lokalsprachen durchführen zu lassen – quasi Mikro-Business-Process-Outsourcing.
Darüber hinaus nimmt auch das Interesse an einer Art von Tourismus zu, der den Erhalt der lokalen Kultur und Natur unterstützt und so einzigartige Kultur- und Naturräume erlebbar macht.
In Kirgistan etwa bietet Hospitality Kyrgystan Ökotoursimus an, der die lokalen Nomadenfamilien als Gastgeber mit einbezieht. Hier ist die lokale Bevölkerung als Dienstleister unverzichtbar.