Produkt entwickeln
Produkte müssen den Bedürfnissen der Zielgruppe entsprechen und dabei auch das Lebensumfeld mit bedenken. Wünschenswert sind in Herstellung, Konsum und Entsorgung umweltverträgliche Produkte.
Typische Produkteigenschaften
Einige Muster erfolgreicher Produkte für Menschen in Armut beginnen sich bereits abzuzeichnen:
Einzelportionen: Viele Dinge des täglichen Bedarfs, wie Shampoo, Würzmittel oder Medikamente, werden in Portionsbeuteln für ein paar Cent verkauft. Verglichen mit einer Großpackung ist die Einzelportion zwar teurer. Doch in dieser Form sind sie für Kunden erschwinglich, die ihr Geld so ausgeben, wie sie es gerade verdienen. Die Idee wurde z.B. bei Prepaid-Handykarten mit sehr kleinem Guthaben umgesetzt.
Gemeinsame Nutzung: Produkte, die ein größeres Investment verlangen und nicht verbraucht werden, lassen sich auch von mehreren Konsumenten gemeinsam nutzen. So sinken die Kosten für den Einzelnen. Handys werden beim Geschäftsmodell von Grameen von Telefonladies verliehen. Für Toilettennutzung wie bei
Sulabh International zahlt man durch Münzeinwurf.
Kostenoptimiertes Design: Produkte werden auf einen fixen Preispunkt hin entwickelt, den sich die Zielgruppe leisten kann.
D.Light arbeitete darauf hin, eine Lampe zu kreieren, die für weniger als 15 Euro verkauft werden kann.
Multifunktionalität: Die Zielgruppe besitzt meist nur wenige Produkte. Umso nützlicher sind diese, wenn sie mehrere Funktionen haben, wie die Handyaufladefunktion der Lampenbatterie bei D.Light. Teilweise nutzen die Kunden die Produkte auch selbst auf kreative Art und Weise: Der Gerätehersteller Haier fand durch die Bearbeitung von Reklamationen im ländlichen
China heraus, dass Kunden seine Waschmaschinen nicht nur zum Wäschewaschen, sondern auch zum Reinigen von Kartoffeln und Gemüse verwendeten.
Flexibler Einsatz: Kunden nutzen Produkte nicht nur auf verschiedene Weise, sondern auch an verschiedenen Orten. So ist es nützlich, wenn eine Solarlampe nicht an einem bestimmten Ort installiert werden muss, sondern überall verwendet werden kann.
Service statt Produkt: Oft lassen sich Services besser verkaufen als Produkte, da sich Zahlungen über einen Zeitraum verteilen und das Risiko des Produktschadens beim Dienstleister verbleibt.
IDEAAS nimmt für die in Haushalten installierten Solaranlagen eine monatliche Miete. Wartung, Reparatur und Service sind inklusive.
Vereinfachung: Produkte können auf die teilweise begrenzten Lesefähigkeiten oder Erfahrungshintergründe von Nutzern eingehen, indem die Nutzung intuitiv gestaltet wird. In Peru können Bankautomaten durch automatische Stimmerkennung gesteuert werden – und das auch in Minderheitensprachen. Auch die Produktsicherheit kann durch entsprechende Gestaltung erhöht werden. In Indien sterben jedes Jahr viele Bauern durch Vergiftung mit Pflanzenschutzmitteln. Ein sicherer Verschluss und eine gesteuerte Dosierung könnten hier Abhilfe schaffen.
Neue Produkte aus lokalen Ressourcen und Kompetenzen
Auch aus der Zusammenarbeit mit Menschen in Armut als Produzenten können neue Produkte entstehen. Aus besonderen Rohstoffen vor Ort lassen sich vielleicht Produkte mit neuen Eigenschaften entwickeln. Im Fall von Natura in Brasilien bildete die Pflanze Pripioca die Grundsubstanz für eine neue Kosmetiklinie.
Lokale Fähigkeiten, zum Beispiel im Kunsthandwerk, können ebenfalls die Grundlage neuer Produkte sein. Die Entwicklung solcher Produkte unterscheidet sich nicht vom klassischen Geschäft, sofern sie an bekannte Zielgruppen verkauft werden.