Finanzierung sichern
Die Finanzierung eines Projekts ist umso leichter, je deutlicher und schneller Gewinne zu erwarten sind. In diese Logik passen Entwicklungsgeschäfte typischerweise gar nicht: Die Risiken sind oft hoch, die Unsicherheiten sind beträchtlich, und selbst bei optimistischen Szenarios stellt sich die Profitabilität meist erst mittel- oder langfristig ein.
Die Finanzierung muss mit diesen Herausforderungen umgehen können: Sie muss flexibel sein was Aus- und Rückzahlungsströme angeht und deutliche Reserven bereitstellen können, um Verlängerungen und unvorhergesehene Investmentbedarfe gut zu überstehen.
Beim Aufbau des Arzneimittelherstellers beispielsweiseATOS konnten die Gründungspartner auf verschiedene Finanzierungsmechanismen der DEG zurückgreifen. In der Startphase des Vermarktungsbetriebs beteiligte sich die DEG am Unternehmen mit Anteilskapital und ging damit selbst mit ins Risiko. Den nachhaltigen Anbau und die Verarbeitung von Heilpflanzen vor Ort förderte es mit Mitteln des BMZ. Die DEG trug so als langjähriger Finanzierungspartner zum Geschäftserfolg des deutsch-ägyptischen Joint Ventures bei.
Eigene Ressourcen – vielfacher Wertbeitrag
Gerade in größeren Unternehmen werden Entwicklungsgeschäfte oft aus eigenen Ressourcen finanziert. Um diese Budgets zu rechtfertigen, ist die Betrachtung des gesamten Wertbeitrags für das Unternehmen hilfreich.
Der Nutzen für Mitarbeitermotivation und -training, Innovationsfähigkeit und Reputation kann erheblich sein. Dieser Mehrwert kann Entscheidungsträger davon überzeugen, Projekte zu starten oder ihre Fortsetzung zu unterstützen, gerade wenn Anlaufschwierigkeiten zusätzliche Finanzmittel erfordern.
BASF hat den Wertbeitrag seines Geschäfts mit der
Grameen Foundation ganzheitlich anhand eines Werttreiberbaums untersucht (siehe Grafik). BASF bietet in Zusammenarbeit
mit Grameen in Bangladesch Nahrungsergänzungsmittel
gegen Mangelernährung
in Sachets an. Neben dem monetären Umsatz und
dem Zugang zu einem neuen Markt verbucht BASF
mit dieser Initiative Beiträge zur verantwortlichen
Unternehmensführung, zur Etablierung von Partnerschaften
und zur Verankerung in den lokalen
Gemeinden. Das Projekt dient außerdem der internen
und externen Kommunikation und stärkt die
Wahrnehmung von BASF als attraktiven Arbeitgeber.
Diese unterschiedlichen Werttreiber wurden
quantifiziert, indem sie mit Kosten für alternative
Aktivitäten innerhalb der einzelnen Ziele verglichen
wurden. Die Investition erreicht mit dieser
Betrachtung eine ansehnliche Rendite.
Staatliche Mittel als Co-Finanzierung
Wenn Projekte zur Armutsbekämpfung oder zum Schutz von natürlichen Ressourcen beitragen und eine Vorbild-Funktion für andere Unternehmen haben, gibt es auch von staatlicher Seite finanzielle Unterstützung. Zu den Anbietern zählen:
Sozialinvestoren für Gründer
Für Gründer von Entwicklungsgeschäften gibt es neben klassischen Risiko-Kapitalgebern eine Reihe von „Sozialinvestoren“, die sich auf die Finanzierung von Geschäftsmodellen mit sozialem Mehrwert spezialisiert haben, insbesondere im Bereich der Armutsbekämpfung.
Acumen Fund in den USA ist Vorreiter, in Deutschland bietet GEXSI ähnliche Modelle. Bei Gründer- oder Businessplan-Wettbewerben mit sozialem Fokus, wie beispielsweise BiD Challenge oder Changemakers, können sich Sozialunternehmer Investoren präsentieren.
Neue Märkte für öffentliche Güter
Der gesellschaftliche Mehrwert eines Entwicklungsgeschäfts in Sachen Umwelt, Gesundheit etc. lässt sich im Prinzip auch separat verkaufen. Bislang fehlt es zwar weitgehend an funktionierenden Märkten für diese Leistungen. Der Emissionshandel aber zeigt, wie ein Markt für Klimaschutz, ein globales öffentliches Gut, geschaffen werden kann. Über Zertifikate lassen sich dort Einsparungen von Klimagasen zu Geld machen.
Der Gerätehersteller Bosch und Siemens Haushaltsgeräte (BSH) hat zum Beispiel mit der Registrierung einer entsprechenden Methode für den Clean Development Mechanism (CDM) die Grundlage dafür geschaffen, Energieeinsparungen als Zertifikate zu verkaufen. Erreicht wird dies durch den Austausch alter Kühlschränke gegen energieeffiziente Modelle in brasilianischen Armenvierteln.