M-PESA ist eine mobile Geldbörse. Bereits 6,5 Millionen Kenianer nutzen im Sommer 2009 ihr Handy, um im Supermarkt zu bezahlen oder ihren Angehörigen Geld zu überweisen, insgesamt 20 Millionen Mal am Tag.
Das rasante Wachstum seit Start des Services im Jahr 2006 hat den Anbieter Vodafone selbst überrascht. Doch in Kenia sind Banktransaktionen teuer, und viele Menschen haben kein Konto. M-PESA – schnell, einfach, kontofrei und vor allem günstig – traf auf eine enorme Nachfrage.
Entwicklungszusammenarbeit und Geschäftsentwicklung – bislang waren das getrennte Welten. Im Unternehmen wurden Innovationen geschaffen und Gewinne generiert. In der Entwicklungsarbeit wurden Gelder ausgegeben, um das Leben der Ärmsten der Armen zu verbessern. Beide Bereiche haben ihre Berechtigung.
Es gibt jedoch eine Schnittmenge, an der die Entwicklung von Unternehmen und von Lebenschancen zusammenkommen. Die Geschäftsmodelle, die an dieser Schnittstelle angesiedelt sind, werden als „Entwicklungsgeschäfte“ bezeichnet.
Über Entwicklungsgeschäfte nachzudenken, erfordert zunächst einen Perspektivwechsel: Von Menschen in Armut als hilfebedürftige Patienten zu tatkräftigen und fähigen Akteuren.
Häufig werden Menschen in Entwicklungsländern als hilflose Wesen porträtiert: Mit großen Augen und aufgehaltener Hand warten sie darauf, von uns Spenden für Essen und Wasser zu erhalten. Nichts läge ferner, als sich diese Menschen als Kunden und Geschäftspartner vorzustellen. Geradezu unmoralisch scheint es, ihnen etwas verkaufen zu wollen und ihnen so noch „das letzte Hemd“ abzuknöpfen. Diese Hilfe suchende Perspektive ist nützlich, um finanzielle und politische Unterstützung für entwicklungspolitische Maßnahmen zu gewinnen. Doch sie zeigt nur einen kleinen Teil der Realität der Menschen, die im Kontext von Armut leben.
Der andere Teil der Realität ist geprägt von reger wirtschaftlicher Aktivität, von kaufen und verkaufen, produzieren und konsumieren. Trotz ihrer Arbeitsamkeit und Kreativität sind viele Menschen aber weiterhin arm. Es fehlt ihnen an Einkommen und Vermögen, vor allem aber an wertvollen Lebenschancen und Entfaltungsmöglichkeiten. Dieser Mangel an Chancen ist zu keinem geringen Teil fehlenden Märkten geschuldet.
Weil es keine Strukturen gibt, die den reibungslosen Handel ermöglichen, können Bauern ihre Ernte nur schlecht verkaufen, Handwerker werden ihre Waren nicht los, viele Produkte und Dienstleistungen sind nicht verfügbar oder nur zu schlechter Qualität und einem hohen Preis.
Hat man diesen Perspektivwechsel erst einmal vollzogen, eröffnen sich plötzlich Chancen durch die Einbindung von Menschen in Armut in die Wertschöpfungskette:
Geschäftsmodelle, die so Chancen eröffnen, schaffen außerdem auch Einkommens- und Geschäftsmöglichkeiten für Dritte: Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kleinstunternehmer werden benötigt, um ein Geschäft am Laufen zu halten. Durch Zusammenarbeit mit Menschen vor Ort lassen sich außerdem lokale Kenntnisse und Vertrauensverhältnisse nutzen.
Schafft es ein Unternehmen, Geschäft gegen Armut zu machen, zieht dies häufig weitere positive gesellschaftliche und wirtschaftliche Effekte nach sich. Das Unternehmen oder auch andere können über nun funktionierende Logistik- und Vertriebskanäle weitere Produkte ein- oder verkaufen, was mehr Märkte aufschließt und die Kosten pro Produkt sinken lässt.
Produzentengenossenschaften eignen sich Knowhow an, können in Qualitätssicherung, Verarbeitung und Marketing investieren und so mehr Nachfrage anziehen. Marktstrukturen verbessern sich, wenn ein oder mehrere Unternehmen in Infrastruktur investieren oder die Regierung den Rechtsrahmen anpasst. Neue Ideen ergeben sich aus dem ersten Geschäft, und die Basis im Markt verbreitert sich. Entwicklung findet statt.
Unternehmen profitieren von gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit durch verschiedene Faktoren.
Neue Märkte:
Die Menschen vor Ort können von der Teilnahme an Entwicklungsgeschäften in verschiedenen Bereichen profitieren: