Von Jonas Naguib (GTZ) und Fritz Jung (BMZ)
Es gibt Geschäftsideen von Privatunternehmen, die sich am Sockel der globalen Einkommenspyramide durchsetzen können – insbesondere wenn die Rahmenbedingungen in den betreffenden Ländern für Innovationen und privatwirtschaftliches Engagement im Allgemeinen förderlich sind. Die Entwicklungspolitik unterstützt derartige Rahmenbedingungen durch ihre Programme im Bereich nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche privatwirtschaftliche Ideen für Entwicklungsgeschäfte, die zwar langfristig das Potential haben, sich am Markt durchzusetzen, die kurz- und mittelfristig aber kaum Chancen haben, umgesetzt zu werden. Gründe hierfür können vielschichtig sein und umfassen neben mangelhaften Rahmenbedingungen die unzureichende Informationslage über die relevanten Märkte sowie über die Kultur, Sprache und Bedürfnisse der Menschen in Entwicklungsländern.
Ein Unternehmen, das Produkte und Geschäftsmodelle für arme Bevölkerungsgruppen entwickeln will, lässt sich auf einen komplexen Innovationsprozess ein. Die deutsche Entwicklungspolitik kann Unternehmen bei der Bewältigung dieser besonderen Herausforderungen unterstützen.
Erfolgreiche Entwicklungsgeschäfte brauchen nicht nur kreative Ideen und unternehmerische Ausdauer, sondern auch ein gutfunktionierendes Netzwerk von Kooperationspartnern: Nichtregierungssorganisationen genießen häufig das Vertrauen der lokalen Bevölkerungen und sind daher von essentieller Bedeutung. Partnerunternehmen vor Ort kennen Markt und Konsumenten am besten. Politische Institutionen und lokale Verwaltungen können mit ihrer Unterstützung ein Projekt vorantreiben oder mit ihrer Skepsis behindern. Die Entwicklungspolitik und ihre Durchführungsorganisationen (CIM, DED, DEG, GTZ, InWEent, KfW und sequa) können mit ihrem landesspezifischen Knowhow dabei helfen, die notwendigen Netzwerke und Kontakte aufzubauen. Die entwicklungspolitischen Akteure kennen die lokalen Gegebenheiten und sind darauf spezialisiert, arme Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsprozesse einzubeziehen und Multistakeholder-Dialoge einzuführen und zu moderieren.
Da die deutsche Entwicklungspolitik ein Interesse daran hat, Partnerschaften mit Unternehmen einzugehen, hat sie das Programm „develoPPP.de“ entwickelt. Das 1999 geschaffene und 2009 vom BMZ weiterentwickelte Public-Private-Partnership-Programm „develoPPP.de“, das von DEG, GTZ und sequa durchgeführt wird, besteht konkret aus drei Komponenten:
Kriterien für die entwicklungspolitische Unterstützung von Projekten sind unter anderen:
In der Privatwirtschaft stößt „develoPPP.de“ auf durchweg positive Resonanz. Das belegen nicht nur die zahlreichen Vorschläge, die die Durchführungsorganisationen des BMZ erreichen. Auch in Gesprächen mit den Partnerunternehmen wird immer wieder deutlich, dass PPP-Kooperationen Chancen eröffnen, weil private und öffentliche Partner ihre spezifischen Stärken einbringen. Projekte, die als PPP begannen, werden von den Unternehmen in Eigenregie meistens fortgeführt, was ihre Wirksamkeit und Nachhaltigkeit bestätigt. Beide Partner haben dabei auch langfristige politische Entwicklungen im Blick: die Überwindung von Armut und Hunger, die Verbesserung von Bildung und Gesundheitsschutz und die Wahrung der natürlichen Lebensgrundlagen.