Situation und Problemstellung
MicroEnergy International kombiniert Mikrokredite mit Energielösungen. Seit 2002 kooperiert das Unternehmen dafür mit verschiedenen Mikrofinanzinstitutionen und Energieanbietern in Ländern wie Bangladesch, Indien, Tansania und Uganda.
Bei der Marktforschung verließ sich MicroEnergy anfangs auf die Methoden seiner Partner vor Ort, vornehmlich Interviews und Fokusgruppen. Manchmal nahmen Mikrofinanzinstitutionen einfach einige Fragen zum Thema „Energie“ in die Evaluationsfragebögen ihrer Kunden mit auf.
Die MicroEnergy-Gründerin Noara Kebir schildert die Nachteile dieser Herangehensweise: „Die Ärmsten sind mit der Methode ‚Interview’ nur selten vertraut und missverstehen diese oft. Das führt häufig dazu, dass sie keine objektiven Antworten geben – gerade in autoritären Gesellschaften sind Leute gewöhnt, die Antworten zu geben, die der Frager hören will. Im Kontakt mit dem Endnutzer gefällt mir deshalb die Interviewsituation immer schlechter. Je intensiver der Kontakt, umso bessere Informationen können gewonnen werden. Zeit ist ein sehr wichtiger Faktor, um Vertrauen aufzubauen.“
Lösung/Ergebnis
MicroEnergy nutzt daher mehr und mehr die teilnehmende Beobachtung als Methode. Dabei helfen Ethnologen, die die Bereitschaft und Fähigkeit mitbringen, auch einmal einen ganzen Tag oder länger im Zielmarkt zu verbringen. Für Fragen rund um Energie ist das wichtig, da zum Beispiel Licht hauptsächlich am Abend und am frühen Morgen zur Anwendung kommt. Dieses Vorgehen kann auch unvorhergesehene und unliebsame Erkenntnisse zu Tage bringen. Noara Kebir berichtet:
„In Uganda wies die Feldforschung darauf hin, dass das bereits angebotene Produkt nicht den Bedürfnissen entspricht. Das war für unseren dortigen Partner schwer verdaulich – denn der wollte unbedingt Solarprodukte finanzieren, was sich für seine Kunden aber eher als kontraproduktiv herausgestellt hat.“ Dennoch oder gerade deswegen findet Noara Kebir: „Wir haben von den wenigen wirklichen Feldforschungsbeispielen mehr gelernt als bei zwanzig Fragebogenaktionen.“