Situation und Problemstellung
Der Protos-Kocher von Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) verspricht klaren Mehrwert für ländliche Haushalte in Entwicklungsländern: Er kostet nur rund 30 Euro, ist haltbar, funktioniert mit Pflanzenöl und spart so Geld für teures Kerosin, ist rauchfrei und stinkt nicht. Dennoch dauerte es einige Jahre, bis ein funktionierendes Geschäftsmodell entstand. Die Entwicklung von Protos begann 1998 an der Universität Hohenheim. Im Herbst 2009 wird nun die Massenproduktion in Indonesien starten.
Produktentwicklung und -umsetzung waren aufwändig: Dr. Elmar Stumpf hatte mit der Technologie während seiner Doktorarbeit experimentiert. BSH wurde 2003 darauf aufmerksam und holte Stumpf ins Unternehmen, um ein Produkt für den Niedrigeinkommensmarkt zu entwickeln. Prototypen wurden entworfen, mit der Zielgruppe getestet und angepasst, bis schließlich 2007 das marktfertige Produkt, der Protos II, entwickelt war.
Pilotiert wurde Protos von 2003 bis 2006 auf Leyte, einer Insel der Philippinen. Projektleiter Sam N. Shiroff erklärt: „In der Visayas State University fanden wir einen idealen Partner. Sie gehört auf den Philippinen zu den führenden Institutionen in der Pflanzenölforschung. Da die Insel zudem landwirtschaftliche, dörfliche und städtische Strukturen aufweist, bot der Standort ideale Testbedingungen. Auch das Angebot an Kokosöl ist groß.“
Lösung
Beim Pilotversuch mussten eine ganze Reihe von Herausforderungen bewältigt werden (siehe auch Pilotierung):
Neben der kontinuierlichen Anpassung des Produktes auf den Kundennutzen kam es darauf an, das Angebot an Pflanzenöl sicherzustellen. Dies geschah durch die Einbindung einer Kokosnuss-Kooperative. Die Bauern konnten das Öl direkt an BSH verkaufen und erzielten so höhere Preise. Außerdem sollte der Kocher lokal hergestellt werden. BSH musste dazu Produzenten ausmachen und qualifizieren.
Unterstützung erhielt BSH während des Pilotversuchs von der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) über das PPP-Programm des BMZ. Neben einer Ko-Finanzierung half die DEG mit Kontakten vor Ort und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren.
Ergebnis
Nach Tests in weiteren Ländern wird Protos ab Herbst 2009 in Indonesien gefertigt. Bis zu 50.000 Stück sollen 2010 hergestellt werden. Verkauft wird zunächst nur in Indonesien, später auch in anderen Ländern. Die Entwicklung von Protos ist damit also sicher noch nicht zu Ende.